Ein farbenblinder
Kavalier schenkte einer grünen
Witwe rote Rosen, als er blau war!
Farbe? Was ist das eigentlich?
Irgendwann und irgendwo entstand einmal
eine internationale Vereinbarung, die besagte, daß Farbe
lediglich als 'Empfindung der farbigen Information' zu verstehen
sei und daß Pigmente und Farbstoffe nur noch als 'Farbmittel'
zu bezeichnen seien.
Wie es so oft der Fall ist, wurde diese
internationale Vereinbarung auch international ignoriert. Damit
versteht dann jeder, was mit dem folgenden Satz eigentlich gesagt
werden soll:
'Die Farbigen hatten ein paar Eimer Farbe erworben, um Ihrem
Wohnzimmer gewisse, kulturhistorisch wichtige, Farben zu verleihen
und somit ein bißchen Farbe zu bekennen'.
Alles verstanden?
Farbe hat botanische, kinematographische,
ästhetische, wissenschaftliche, kulinarische, meteorologische,
therapeutische Facetten und Funktionen. Der Begriff 'Farbe' enthält
viele Bedeutungen, und eine starre Definition gibt es einfach
nicht.
Und in fast allen Sprachen, wie z. B.
Englisch, wo Farbe als Beschichtungsstoff als 'Paint' bezeichnet
wird, gibt es doch auch bestimmte Sätze, über die Gefühle
mit Farben ausgedrückt werden ("I am blue" - "Ich bin melancholisch gelaunt",
"I am green"
- Ich bin Anfänger", "I am green with envy" - "Ich bin echt neidisch",
"He is yellow"
- "Er ist ein Feigling", usw.). Das Wort 'Blau' zum Beispiel
gab es in der japanischen Sprache bis vor kurzem nicht einmal.
Es gibt somit mindestens drei wichtige
Interpretationsmöglichkeiten:
1. Farbe im Zusammenhang mit Beschichtungsstoffen,
Pigmenten, Farbmitteln oder Farbstoffen. (die mechanische Sicht)
2. Farbe im Zusammenhang mit verschiedenen
Kulturen, politischen Richtungen und menschlichen Einstellungen.
(die kommunikative Sicht)
3. Farbe als unsere Fähigkeit der
Wahrnehmung und Empfindung von Lichtenergie. (die physikalische
Sicht)
Gerade der letzte Punkt, nämlich
die Farbwahrnehmung durch das menschliche Auge, ist ein Ansatzpunkt
für einen physikalischen Erklärungsansatz. Licht wird
heute verstanden als ein Teilbereich des elektromagnetischen
Wellenbandes mit bestimmten Wellenlängen. Weißes Licht
kann durch ein Prisma in ein komplettes Farbspektrum aufgespalten
werden, wie ein Regenbogen eindrucksvoll beweist.
Dieses weisse Licht, daß auf einen
jeglichen Körper trifft, wird teilweise absorbiert (verschluckt)
und teilweise reflektiert (zurückgeworfen). Dieser zurückgestrahlte
Rest bestimmt die Farbe, mit der wir diesen Körper wahrnehmen.
Unser optisches Wahrnehmungsorgan, das Auge, empfängt einen
Farbreiz, der für unser Verständnis vom Aussehen unserer
Welt die hauptsächliche Grundlage ist.
Die Zapfen in unserem Auge empfangen
eigentlich nur acht Hauptfarben: Weiß (als Gesamtmischung
des Farbspektrums), Schwarz (kein Lichtreiz), Magenta, Gelb,
Cyanblau, Violett, Grün und Orange.
Unser Gehirn aber, das die Nervenreize
dieser Rezeptoren verarbeitet und interpretiert, 'sieht' viel
mehr! Denn allein das Gehirn entscheidet darüber, wie die
über das Auge, die Netzhaut, die Zapfen und die Sehnerven
hereinkommenden Reize dann subjektiv empfunden werden.
Harmonie und Kontrast
Designer und Künstler verbinden Farben mehr oder minder
gezielt miteinander, um bestimmte beabsichtigte Empfindungen
in unserem Gehirn auszulösen. 'Kalte' und 'warme' Farben
werden zum Beispiel als Stilmittel benutzt und spiegeln sich
in Harmonie und Kontrast unterschiedlich wieder.
Bewußt und unbewußt reagieren
Menschen ständig auf Harmonie und Kontrast:
in der Mode ("Dieser Blazer steht
Ihnen gut", "Diese gelbe Krawatte paßt nicht
zu Ihnen"), beim Farbdesign zuhause ("Hier ist es richtig
gemütlich") und in der Kunst ("Ich könnte
dieses Bild stundenlang bewundern").
Da sich über Geschmack bekanntlich
nicht streiten läßt, es aber trotzdem ständig
der Fall ist, handelt es sich hier um ein gewaltiges, beliebtes
und umstrittenes Thema.